Vor dem Eingriff, welche Rolle spielt die Beratung des Arztes?

Prof. Dr. med. Markus Küntscher ist Chefarzt der Abteilung für Plastische und Handchirurgie sowie Leiter Rekonstruktives Brustzentrum, Evangelische Elisabeth Klinik, Berlin

Die individuelle und persönliche Beratung durch einen erfahrenen Arzt ist ausschlaggebend für ein zufriedenstellendes Ergebnis. Ich empfehle Patientinnen sogar mindestens zwei ausführliche Beratungsgespräche. Im ersten Termin werden die wichtigsten Eckdaten wie der pathologische Befund und die medizinischen Voraussetzungen evaluiert sowie die Wünsche und Vorstellungen der Patientin besprochen.

Prinzipiell stehen zwei grundlegend unterschiedliche Methoden zur Verfügung. Zum einen können Silikonimplantate eingesetzt werden und zum anderen kann körpereigenes Gewebe der Patientin zur Rekonstruktion der Brust verwendet werden. Beide Methoden haben Vor- und Nachteile, die im Einzelfall individuell besprochen werden müssen. Ist die Entscheidung für ein Implantat gefallen, muss auch die Auswahl des passenden Implantats besprochen werden. Im zweiten Termin erfolgen dann die detaillierte OP-Aufklärung und das Narkosevorgespräch.

Ein Brustimplantat ist ein Fremdkörper mit entsprechenden Komplikationsmöglichkeiten, wie einem höheren Infektionsrisiko, wie auch der Möglichkeit des Entstehens einer sogenannten Kapselfibrose. Das Risiko einer Kapselfibrose, die sich durch eine unschöne Verformung der Brust oder durch Schmerzen manifestieren kann, ist beispielsweise nach Strahlentherapie erhöht. Solche Patientinnen müssen über dieses deutlich erhöhte Risiko informiert werden. Ohne vorherige Strahlentherapie ist dieses Risiko eher niedrig.

Solchen Patientinnen kann ein Implantat empfohlen werden. Mit einer Eigengewebsrekonstruktion kann die Form und Konsistenz einer natürlichen Brust sehr gut rekonstruiert werden. Hierfür stehen Haut- und Fettgewebstransplantate vom Unterbauch, vom inneren Oberschenkel oder vom Gesäß zur Verfügung.

Der Nachteil dieser Verfahren ist, dass an einer zweiten Körperstelle eine zusätzliche Narbe entsteht. Bei einigen Patientinnen ist dies jedoch sogar ein Vorteil, weil eine Bauchdeckenstraffung oder Gesäßstraffung durch die Entnahme des Gewebes als angenehmer Nebeneffekt resultieren.

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Wie wichtig ist die Implantatauswahl bei der Brustrekonstruktion?

Privatdozent Dr. med. Marc Thill, Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe und Brustzentrum, AGAPLESION MARKUS KRANKENHAUS, Frankfurt am Main

Jede Patientin ist einzigartig, weshalb die Frage nach dem individuell passenden Implantat von besonderer Bedeutung ist. Dabei spielen die persönlichen Wünsche und Vorstellungen, aber auch die Physiognomie und die medizinische Vorgeschichte, gerade nach einer Krebserkrankung, eine ausschlaggebende Rolle. Silikonimplantate stehen heute in einer sehr großen Vielfalt an Formen, Projektionen, Größen und Oberflächen zur Verfügung. Allein der einzige deutsche Hersteller hat über 1.500 Implantatvarianten im Programm.

Darüber hinaus stehen für mich Qualität und Sicherheit des Implantats im Vordergrund. Die Verwendung von Qualitätsimplantaten ist für mich eine der Hauptvoraussetzungen für ein ansprechendes, aber auch sicheres operatives Ergebnis. Nach dem Skandal um minderwertige Implantate aus Frankreich hat das Qualitätsmerkmal made in Germany, auch für die Patientin, einen hohen Stellenwert.

Neben der runden Implantatform, die ein eher fülliges Dekolleté erzeugt, gibt es anatomisch geformte Implantate, die sich in die Silhouette des Körpers einfügen und für ein besonders natürliches Ergebnis sorgen. Darüber hinaus gibt es glatte und texturierte (angeraute) Oberflächen sowie mit Mikropolyurethanschaum beschichtete Implantate.

Diese spezielle Oberfläche sorgt dafür, dass die Bindegewebekapsel, die sich normalerweise um das Implantat bildet, problemlos mit der Oberflächenstruktur verwachsen kann und das Implantat dadurch nicht verrutscht. Der Vorteil dieser wie auch der texturierten Implantate liegt nachweislich in der Verringerung der Kapselfibroserate.

Bei dieser möglichen Komplikation zieht sich das Bindegewebe rund um das Implantat im Laufe der Zeit stark zusammen und verhärtet. Das kann zu Formveränderungen der Brust oder Schmerzen führen – häufig ist dann eine Re-Operation nötig.

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Worauf ist nach dem Eingriff zu achten?

Privatdozent Dr. med. Sherko Kümmel, Direktor des Interdisziplinären Brustzentrums, Kliniken Essen-Mitte

Direkt nach der OP geht es darum, die akute Schmerzsituation möglichst schnell einzudämmen, um die Patientin zu entlasten und eine optimale Wundheilung zu gewährleisten. Darüber hinaus ist eine frühzeitige Mobilisation sehr wichtig für einen guten Heilungsprozess. Bereits am ersten Tag nach der OP sollte die Patientin, angeleitet durch geschultes Pflegepersonal, spezielle leichte Gymnastikübungen durchführen.

Absolut wichtig für einen komplikationsfreien Verlauf ist darüber hinaus ein medizinischer Stütz-BH, den die Patientin sechs bis acht Wochen nach dem Eingriff Tag und Nacht tragen sollte. Das Schlafen in Bauchlage ist in dieser Zeit nicht zu empfehlen. Insgesamt sollte, je nachdem welche OP-Methode angewandt wurde, eine Karenzzeit von acht bis zwölf Wochen eingehalten werden. In dieser Zeit sollte auf heftigen Sport und schweres Tragen oder Heben verzichtet werden. Leichte sportliche Aktivitäten, wie langsames Joggen, sind nach drei bis vier Wochen mit dem entsprechenden Stütz-BH durchaus möglich.

Zur Narbenpflege empfehlen wir spezielle Salben oder Silikonpflaster, die Rötungen vermindern und das Narbenbild verbessern. Die Patientinnen sollten es vermeiden, in den ersten Wochen nach dem Eingriff ins Schwimmbad oder in die Sauna zu gehen.

Selbstverständlich sollte die Patientin ihren behandelnden Arzt nach dem Eingriff, in Abstimmung mit ihrem Gynäkologen, regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen aufsuchen. Der erste Kontrolltermin nach dem stationären Aufenthalt sollte circa zwei Wochen nach dem Eingriff stattfinden.

Sobald sich die Patientin jedoch unwohl fühlt oder Veränderungen der operierten Brust bemerkt, sollte sie immer sofort den Arzt aufsuchen, um Komplikationen auszuschließen. Wichtig ist natürlich darüber hinaus eine regelmäßige Krebsvorsorge, die auch mit Implantat ohne Einschränkungen möglich ist.

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